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Scusi, komme momentan nicht mehr zum bloggen.

Infos gibt es aber immernoch hier: FRA-MUC-FRA
26.4.05 18:27


Nur f?r den Moment

Langsam geht mir dieser Bl?dmann vor mir mit seinem feuerwehrroten Astra Kombi mit Dachgep?cktr?ger und Wallacheikennzeichen m?chtig auf den Keks. Langsam f?hrt er n?mlich auch noch; hier auf der linken Spur, obwohl es frei ist auf der mittleren. Ich finde, ich darf so lange links fahren, so lange keiner hinter mir ist, der schneller fahren will als ich. Das ist die Regel, meine, eine gute und faire, wie ich finde. Aber der Kerl da vorne hat noch nicht von ihr geh?rt. Jedenfalls ignoriert er konsequent, dass ich hinter ihm den Abstand merklich verringere, sobald er zum wiederholten Mal eine mindestens 500m lange L?cke rechts neben sich hat, in die er locker einscheren und bei seinem Tempo auch noch eine Weile fahren k?nnte. Er k?nnte zwar, will aber nicht. Ich will aber, dass er will. Und dann f?llt mir ein Spruch dieser Spezialisten ein, von wegen man sei ja dann auch nicht wirklich schneller am Ziel, und dass man sich ja im n?chsten Stau wiedersehen w?rde. Ob ich aufgrund meines angestrebten ?berholman?vers fr?her ankomme oder nicht ist mir gerade v?llig gleichg?ltig und ein Stau ist auch nicht angek?ndigt f?r diese Strecke. Ich will einfach nur nicht unn?tig aufgehalten werden. Es geht hier schlicht um eines: Ich will vorankommen, k?nnte schneller fahren und der Knallkopf vor mir hindert mich daran. Ende der Geschichte. Leider noch nicht wirklich, denn er l?sst gerade wieder eine hunderte Meter lange L?cke rechts an sich ungenutzt vorbeiziehen. Wahrscheinlich quengeln Frau und Kinder schon seit Stunden. Aber ist das ein Grund, mir jetzt auf den Keks zu gehen? Ich finde nicht. Bei der folgenden L?cke, wie vom Donner ger?hrt, schert er r?ber nach rechts. Er hat ein Einsehen, Erbarmen mit meinen Nerven. Ich schalte zur?ck, um durchzustarten. Auf gleicher H?he mit ihm sehe ich nicht ihn, sondern sie am Steuer, den Blinker rechts setzend, weil ja gleich die Rastst?tte kommt, der Mann schl?ft daneben. Die Rastst?tte hat mich gerettet. Der verdammte Kaffee soll dir den Magen verderben. Als ich wieder nach vorne sehe, habe ich sie schon wieder vergessen. Es geht nur um den Moment, darum geht es. Nicht um den n?chsten Stau, nicht um das Zeitsparen. Wo k?men wir denn da hin? Zum einvernehmlichen Stillstand der Selbstbel?ger? Stillstand gef?llt mir nicht
11.4.05 08:58


Die Reisekostenfalle

Ich bin gespannt, ob, und wenn ja wann, wir den Zuschlag f?r dieses Projekt bekommen. Warten wir es ab. Auf jeden Fall bedeutet dieser Tag f?r mich einige Stunden in Ruhe allein auf der Autobahn. Das ist ja auch etwas Sch?nes, wenn man sich sonst nur in den M?hlen der Bahn oder der Airlines befindet. Ich finde beim Reisen nichts furchtbarer, als das Diktat von Fahrpl?nen. Schlimm genug, dass sie einem immer drohen: Um 6 Uhr 32 fahre ich los, ob du dabei bist oder nicht! Nein, der Gipfel des Machtmissbrauchs ist es, wenn ich mich dann schon unter Einhaltung eines Sicherheitspuffers von einigen Minuten am Gleis oder am Gate eingefunden habe und sich die Abreise dann erstmal kurz um 8 Minuten versp?tet. Die Kilometerpauschale f?r die heutigen Autofahrten bringt zusammen mit dem Spesensatz auch noch ein kleines monet?res Bonbon. Das Essen im Silenuis hat zwar der Partner gezahlt, aber das werde ich wahrscheinlich bei der Abrechnung schon wieder vergessen haben, der Partner sowieso. Eine gute Gelegenheit mir Gedanken zu machen, wie ich in der Reisekostenbilanz gerade dastehe. Habe ich einen Abrechnungsstau oder schwimme ich noch im warmen Wasser der erstatteten Kosten? Noch einmal werde ich nicht in diese Falle tappen, die Reisekostenfalle. Der erfolgreiche Umgang mit Reisekosten ist ein B?ndel aus Disziplin, ?berblick und Sorgfalt. Mit all diesen Tugenden bin ich leider nicht sonderlich reichlich gesegnet. Zumindest, sobald es um Verwaltungsangelegenheiten geht. Daher bin auch ich, wie so viele andere Kollegen vor mir, in die Reisekostenfalle getappt. Mit offenen Armen erwartet sie jeden, der seine Kontost?nde nicht regelm??ig kontrolliert und sich nicht bewusst ist, wessen Geld da nun gerade auf dem Konto ist.

Beleuchten wir doch einmal die Anatomie dieses heimt?ckischen Systems anhand dieses Diagramms:



Diese Anatomie ist f?r das Abrechnungsmodell g?ltig, bei dem kein Vorschuss gezahlt wird und alle Ausgaben mit Kreditkarten beglichen werden.

t0 Normalniveau: Der Kontostand hat zu Beginn der Reiset?tigkeit ein unspektakul?res Normalniveau. Das Gehalt unterbindet, wenn es gut l?uft, regelm??ig den dauerhaften Aufenthalt in der Dispo-Zone.

t1 Beginn der Reiset?tigkeit: Bei Kreditkartenzahlung und erst recht bei guten Kreditkartenvertr?gen ist es nun mal so, dass die Abbuchungen der Hotels, Restaurants, Flugtickets und Tankquittungen l?nger auf sich warten lassen als die Erstattung derselben. So schwillt der Kontostand recht schnell auf ein beachtliches Niveau an. Unter diesem Gesichtspunkt k?nnte eine sehr langsame Reisekostenstelle bei der Vermeidung der nun folgenden Katastrophe sehr hilfreich sein.

t2 Gipfel: Hurra, das Konto ist voll. Wer hier schlau ist, packt das Geld auf ein Tagegeldkonto oder legt es anderweitig kurzfristig verf?gbar an.

t3 Eintretende Nachl?ssigkeit: Oder man ist so bl?d wie ich, und macht endlich mal die Anschaffungen, die einem schon ein ganze Weile vorschweben. Oh, kaufen tut doch so gut. Erst recht, wenn der Kontostand immer im Positiven bleibt. Einer geht noch ...

t4 Yess: Kleine elektronische Spielzeuge machen Spa? und sind dar?berhinaus auch noch Statussymbol. Ich liebe meinen Job.

t5 Touchdown: Nun, da bin ich wieder wo ich herkam.

t6 Tr?gerische Normalit?t: Oder auch nicht. Ich habe mir ein paar Dinge gekauft, die teuer waren und unheimlich viel Spa? machen. Das Konto sieht ja jetzt aus wie vorher. Aber tut es das wirklich? Nein! Tut es ganz und gar nicht. Es schwimmt auf einer Luftblase und die platzt sp?testens, sobald ein oder mehrere Projekte vor Ort, d.h. ohne Reiserei angesagt sind.

t7 Heimkehr: Endlich ein Projekt vor Ort. Endlich keine Reiserei mehr. Hach, wie sch?n. Zumindest f?r eine Weile. Das schon. Aber was passiert denn da mit meinem Konto? Gut, ich habe schon immer mal wieder dar?ber nachgedacht, dass mein Kontostand auf Pump basiert und deswegen ein latent schlechtes Gewissen mit mir herum getragen, aber jetzt bekomme ich meine Bef?rchtungen in konkreten Zahlen serviert.

t8 Der Boden ist erreicht: Ich dachte schon, das nimmt gar kein Ende. Wo sonst die nicht enden wollende Kette aus Rechnungen, die mir ?berwiesen und dann wieder ?ber die Kreditkarte abgebucht wurden, sonst im Hintergrund vor sich hin tickerte, schl?gt jetzt jede weitere Rechnung ein wie eine Bombe. Das m?sste es doch jetzt aber gewesen sein. Bitte lass es vorbei sein. Schau Dir doch nur meinen Kontostand an.

t9 Triage: So kann das nicht weitergehen. Meine Dispozinsen fressen mich auf. Ich muss etwas tun. Eine neue Bescheidenheit kehrt jetzt in mein Leben ein. Weniger feiern, keine neuen Spielzeuge in der n?chsten Zeit und der Urlaub geht halt in die T?rkei statt nach USA. Z?hne zusammen bei?en.

t10 Geht doch: Stetig geht es voran in Richtung Normalzustand.

t11 Geschafft: Was f?r ein Ritt. Na, hoffentlich habe ich daraus gelernt.

Lange habe ich ?berlegt, welche Strategien zu Vermeidung dieser Falle beigetragen h?tten. Hier meine Ergebnisse:

Ein separates Konto f?r die Reisekosten betreiben! Aber wer betreibt schon gerne diesen Aufwand? Im Zweifelsfall kostet das dann auch noch ein paar Euro extra. Und das private Girokonto kann den warmen Regen immer gut gebrauchen.

Sich mit der Reisekostenstelle durch Abgeben von schlampig zusammengestellten Reisekostenaufstellungen verfeinden. Hiervon ist allerdings abzuraten, verbaut man sich dadurch tendenziell die M?glichkeit, dass gewisse Betragsgrenzen auch einmal mehr toleriert werden ? was bares Geld bedeutet.

Einfach mehr Disziplin oder eine andere Auswahl des Arbeitsplatzes? Beides fast gleicherma?en schwierig.

Zum Thema Reisekosten konnte ich folgendes nie abschlie?end kl?ren: Ist der Anruf zu Hause mit der Information, dass ich erst mitten in der Nacht statt gegen 19 Uhr nach Hause komme, wirklich privat oder als gesch?ftliches Gespr?ch abrechenbar? Das habe ich bis heute nicht herausgefunden. Wann immer ich diese Anrufe auf dem Einzelverbindungsnachweis als abzurechnen markiere, wird dies von den zust?ndigen Damen und Herren trotz der sonst entgegengebrachten Freundlichkeit konsequent ignoriert. Aber wer streitet sich schon um ein paar Cent bei einer Handyrechnung, die selten mal die 100 Euro-Grenze unterschreitet? Ich nicht.
6.4.05 09:06


Die letzten Meter

Wir melden uns am Empfang. Das B?ro des Kunden ist nur f?nf Minuten Fu?marsch vom Studentencaf? entfernt, sodass ich das Auto beim Caf? stehen lasse. Ein echtes Kontrastprogramm. Edelst eingerichtete Eingangshalle, das Logo prangert nicht nur ?ber dem Eingang, sondern auch eingraviert unter unseren F??en im Granitboden. Darf man da ?berhaupt drauftreten? Die Dame, bei der wir uns anmelden, sieht aus wie ein Model aus einem Quelle-Katalog, von den Business-Kost?m-Seiten. Mittleren Alters, gepflegt und freundlich. Ihre charmante und perfekte Art bringt uns schon vorab in eine positive Stimmung. Ich glaube nicht, dass man ? von ihr begr??t ? selbst schlechteste Laune aufrecht erhalten k?nnte. Das machen sie sicher mit Methode. Sowohl beim Betreten als auch beim Verlassen der Firma. Ob es daf?r Schulungen gibt? So eine wie f?r Stewardessen? Sicher gibt es da so was. Eine halbe Minute sp?ter werden wir vom eben genannten Vorstand pers?nlich abgeholt, der meinen Partner herzlich aber beherrscht begr??t ? wie s?he das denn sonst aus? Wie eine abgekartete Sache. Ist es auch, aber wen geht das schon an? Der Aufzug riecht irgendwie nach Arztpraxis. Da ist unser Raum. Enter three witches, also wir. Daran zumindest erinnert mich die Reaktionen einiger der Anwesenden. Hier erinnert zun?chst nichts auch nur ein wenig an das L?cheln der freundlichen Dame vom Empfang. Wir sind doch gar nicht in b?ser Absicht hier. Wir bringen doch Know-how und Arbeitskraft, freut euch. Dann doch noch freundliches L?cheln, allgemeine Vorstellungsrunde. Beim Nennen unserer Jobtitles, sozusagen unserer R?nge, beobachte ich die Reaktionen der Anwesenden. In diesem Moment wird mir wieder klar, wie fremdartig diese ganzen Konstrukte, zusammengesetzt aus Analyst / Consultant / Senior / Junior / Manager / Director / Partner, zun?chst in den Ohren der Kunden klingen m?ssen. Die Namen aller Anwesenden kann ich mir sowieso nicht gleich merken, den vom Vorstand und vom IT-Leiter kenne ich vom Briefing gerade im Silenius. In der Zeit f?r das Aufbauen und das Hochfahren des Notebooks wird ausgiebig die Sch?nheit der Stadt besprochen, die Anreise diskutiert und so weiter und sofort. Die Sitzordnung erinnert an eine Schulklasse, alle nach hinten, wir m?ssen laut reden. Die IT-ler blicken skeptisch und neugierig drein und be?ugen mein Notebook neidisch. Was kann ich denn daf?r, dass wir immer die neuesten, leichtesten, elegantesten am Markt verf?gbaren Ger?te haben? ?tsch. Ist meiner. Bevor ich den allerdings auf die Versammelten loslassen kann, muss ich ihn noch schnell entsch?rfen. Daran hatte ich nicht gedacht. Das Hintergrundbild des Windows-Desktops zeigt die r?ckw?rtigen Ansichten f?nf sch?ner Frauen in leichten Produkten eines bekannten Unterw?scheherstellers. Au?erdem w?rde es sicher nicht von Vorteil sein, den Bildschirmschoner mit dem gr?nen Logo des besten Bierbrauers Deutschlands mitten in der Pr?sentation zu erblicken. Jetzt aber gut, es kann losgehen. Ich stelle die Verbindung zum Beamer her und teste sie. Super, das ?bliche Jonglieren mit den Aufl?sungen entf?llt. Da st?rt es kaum noch, dass zum Projizieren nur eine rissige Wand zur Verf?gung steht. Ich schalte zun?chst die Verbindung wieder ab. Es gibt nichts Peinlicheres, als mit ansehen zu m?ssen, wie ein Pr?sentierender umst?ndlich, unbeholfen und nerv?s versucht, die Powerpoint-Pr?sentation zu finden, die er in einem Unterverzeichnis versteckt hat, an das er sich dann nicht mehr erinnern kann und dann noch beim ?ffnen der Datei Probleme hat. Das disqualifiziert fr?h, wenn man IT-Beratung verkaufen m?chte und dann noch nicht mal mit Powerpoint umgehen kann. Au?erdem k?nnte es dabei passieren, dass der Kunde w?hrend der Suche nach der richtigen Datei in der wohlgepflegten Verzeichnisstruktur die Namen seiner Konkurrenten zu lesen bekommt. Dass wir mit all denen nat?rlich auch zumindest im Kontakt sind, d?rfte klar sein, muss aber nicht dilettantisch belegt werden. Das w?re sehr unprofessionell. Wirklich peinlich allerdings w?re es, allen Anwesenden zu zeigen, dass man auch im Verteiler von Scherz- E-Mails steht und auch ?ber solche in Powerpoint-Format verf?gt. Erektion.ppt, das w?re ein echter Fehltritt und w?rde manchen in seiner schlechten Meinung ?ber Berater bekr?ftigen. Zusammengeschustert aus drei alten Pr?sentationen steht sie nun startklar und wartet hinter der Begr??ungsfolie mit den Logos unserer Beratung und dem des Kunden, um entfesselt zu werden. Let us entertain you. Die Vorstellung beginnt. Was unterscheidet uns denn in diesem Moment noch von anderen Unterhaltungsk?nstlern? Ein paar einleitende Worten des Partners und des Vorstands, und ich kann loslegen. Da erstrahlt sie in den gewohnten Farben, die erste Folie des Templates, anhand dessen die Folien erstellt werden, mit denen zahllose Pr?sentationen pro Jahr gehalten werden. Statt der oft verwendeten Diashow bauen sich unsere Folien wie kleine Geschichten auf und beziehen den Kunden dabei immer sorgf?ltig ein. Dabei muss immer darauf Acht gegeben werden, nicht zu verspielt zu wirken, aber darauf achtet schon vorab unser Backoffice, das die Qualit?t unserer Pr?sentationen vorab auf Herz und Nieren testet und verbessert. Und so sind die Folien immer eine runde Sache. Bei der Vorstellung unserer Organisation muss ich mich ein wenig zusammenrei?en, ob der h?ufigen Wiederholungen dieses Parts nicht ins gebetsm?hlenartige zu verfallen. Konzentrieren. Manchmal denke ich, die regelm??igen Restrukturierungen nach Lines of Business, Divisions, Regional Offices dienen nur dazu, genau dies zu vermeiden. Die letzte Umsortierung habe ich nicht ganz verstanden, ein Grund mehr, bald zum eigentlichen Thema zu kommen. Was interessiert den Kunden, wie wir au?erhalb unseres Teams im Detail organisiert sind? Wir scheinen mit unserem Termin vor die Mittagessenzeit beim Kunden geraten zu sein, die Kekse sind aufgebraucht, bevor ich ?berhaupt erst auf der dritten Folie bin ? rekordverd?chtig, aber allemal besser als einnickende Zuschauer, denen das Kantinen-Schnitzel mit Pommes schwer im Magen liegt.

Unser heutiges Publikum ist alles andere als m?de und passiv, im Gegenteil. Bei der Erl?uterung eines technischen Details der von uns empfohlenen Software kann sich der alte und neue Projektleiter nicht mehr zur?ckhalten und beginnt ausf?hrlich daran herumzum?keln. Dabei handelt es sich um eine aus den einschl?gigen Medien hinl?nglich bekannte Eigent?mlichkeit, die immer mal wieder gerne kritisiert wird. Ihm sollte daher klar sein, dass ich auf diesen Einwand vorbereitet bin. Seine Ausf?hrungen bekr?ftigt er mit wildem Herumgefuchtel seines Laserpointers. Ich nehme an, dass er sich einerseits deshalb zu Wort meldet, um vor seinem Vorgesetzten zu gl?nzen und bei diesem Projekt vielleicht aktiver zu sein als beim letzten. M?glich ist aber auch, dass er gegen?ber dem Softwareprodukt deshalb negativ gestimmt ist, weil dessen Komplexit?t unseren Einsatz mehr erfordert, als ein anderes das w?rde. Einen Moment wird mir richtig warm, denn obwohl ich wei?, dass ich die Frage locker beantworten kann und die f?nf zu erwartenden R?ckfragen gleich mit, kann ich mir nie sicher sein, wie mein Gegen?ber darauf reagiert. Eine angespannte Stimmung kann ich jetzt hier nun wirklich nicht gebrauchen. Also los. Ich bedanke mich herzlich und begeistert f?r die Frage, betone ausf?hrlich die Wichtigkeit dieses Einwandes. Seine Frage unterstreiche seine Fachkompetenz und zeuge von einem hohen Informationsgrad. Da ich nun im Vorfeld schon erfahren habe, aufgrund welcher Umst?nde bei diesem Kunden dieser Punkt besonders kritisch zu sehen ist, kann ich noch mit meinem Wissen um die Eigenheiten des Kunden gl?nzen. Es scheint mir, als ob ihn das sogar wirklich ein wenig beruhigt. Seine Frage ist beantwortet und er hat sein Gesicht nicht verloren. Im Gegenteil. Der Vorstand nickt mir zustimmend zu, um mich mit der Pr?sentation fortfahren zu lassen. Meine K?rpertemperatur ist wieder auf normalem Niveau. Meine Sportuhr mit diversen Sensoren f?r Vitalfunktionen k?nnte mir das best?tigen, w?rde ich sie hier tragen. Ich kann also in Ruhe weitermachen. Jetzt, wo ich mir meiner Sache endg?ltig sicher bin, macht mir eine meiner eigenen Unarten zu schaffen. Wann immer die Beschaffenheit des Raumes es erlaubt, wandere ich beim Pr?sentieren herum. Und zwar durch den ganzen Raum. Von rechts nach links, von hinten nach vorn. Immer sch?n langsam und bed?chtig, damit ich statt der Dynamik keine Unruhe dadurch erzeuge. Die kleine Anekdote, die ich bei der n?chsten Folie immer gerne zum Besten gebe, kann kommen. Sie werden es mir jetzt sicher nicht ?bel nehmen, im Gegenteil. Wahrscheinlich k?nnte ich jetzt sogar von meinen Marathonl?ufen erz?hlen und es w?rde mir als Mittel zur Auflockerung angerechnet. Aber heute lieber nicht. Dem Rest der Pr?sentation h?rt der designierte Projektleiter nickend zu, sogar unterbrochen von ein paar bekr?ftigenden Einw?nden. Na also. Der Rest der Pr?sentation verl?uft relativ ereignislos und so kann ich mich bald wieder auf den Weg machen. Die Visitenkarten sind verteilt, die Hand-outs liegen bereit und keine akute Nachfrage ist mehr offen. Warum gebe ich mir eigentlich immer so viel M?he mit den Hand-outs, wenn dann doch wieder nur die zusammen mit den Folienausdrucken ausgelegten Werbeartikel mitgenommen werden? Menschen sind Menschen, denke ich und verabschiede mich. Tsch?ss, bis bald vielleicht. Mein Tutor und sein Partner bleiben noch. Sie haben noch mit dem Vorstand zu sprechen.
4.4.05 09:53


Die letzte Meile

Zum Gl?ck und anhand meiner Notizen kann ich mich an ein paar wenigen Hauptstra?en entlanghangeln und finde das Lokal recht schnell. Das Notebook nehme ich mit, das ist sicherer. ?ber der Eingangst?r prangt der Name ?Silenius?. Was dann nun wieder hei?t? Klingt irgendwie nach Ruhe, nach Schlaf. K?nnte ich jetzt beides gut gebrauchen, Ruhe und Schlaf. Geplant ist aber: pr?sentieren und ?berzeugen. Das Lokal hat mein Tutor ausgew?hlt, der designierter Projektmanager f?r dieses Engagement ist. Ich glaube, er hat in dieser Stadt studiert, denn das w?rde erkl?ren, wie wir zu diesem Treffpunkt kommen. Da sitzen die beiden ja schon. Er und sein Partner. Sein F?rderer und Forderer. Die beiden sehen aus wie Vater und Sohn und wenn man ihnen beim miteinander Reden zuh?rt, bekr?ftigt das diesen Eindruck noch. Es ist ein echtes Studentencaf?. Am Nebentisch fr?hst?cken drei Kerls, einer von ihnen mit langen Rastalocken und Nickelbrille. Wahrscheinlich l?uft in der WG das Waschbecken vor dreckigem Geschirr ?ber, der K?hlschrank ist leer oder voller Leben. Gerne w?rde ich mit euch tauschen, Jungs. Wir drei sehen in dieser Umgebung aus wie Pinguine, die ihren Eisberg nicht mehr finden, sich verirrt haben. Mein Tutor und sein Partner sind bester Laune und werden gerade mit dem Essen fertig. Wieso das denn jetzt? Ach ja, wohnen ja beide in dieser Richtung der Republik und waren wohl arg fr?h hier. Ich habe sowieso keinen Hunger.
- Guten Morgen!
- Hey, alles klar?
- Ja, bestens.
- Na gut, dann wollen wir uns mal abstimmen.
Also einer der Vorst?nde des Kunden, der uns eingeladen hat, kennt unseren Partner schon von seiner letzten Position, wo er schon einmal mit ihm zusammen gearbeitet hat. Und der will uns unbedingt in diesem Projekt haben. Und wenn wir richtig informiert sind, ist er der wirkliche Entscheider in diesem Zusammenhang.

Das ist ja wunderbar, ein freundlicher Entscheider sitzt im Publikum ? das gibt Sicherheit. Das Projekt haben die eigenen IT-ler des Kunden bereits vor einem halben Jahr versucht in den Griff zu bekommen, sind aber kl?glich gescheitert. Da gibt es dann also noch den Projektleiter dieser Aktion oder eben seinen Nachfolger, auf dem dann ebenfalls entsprechender Druck lasten wird. Der Rest der Anwesenden ist ?berwiegend zum Repr?sentieren da. Und wir zum Pr?sentieren, na dann ist ja alles klar. Und daf?r mussten wir uns nun so viel fr?her treffen? Wahrscheinlich sind wir nur so fr?h hier, weil die beiden, mein Tutor und der Partner, die Gelegenheit genutzt haben, um noch andere Dinge zu besprechen. Dass ich zu solchen Gelegenheiten nur knapp in der Zeit ankomme, ist hinl?nglich bekannt. Die beiden k?nnen sich gut leiden und ein F?rsprecher kann in dieser hohen Position ja nie schaden. Noch ein paar Tassen Kaffee, ein paar Personalia berichtet, die Lage des Unternehmens besprochen, damit der Smalltalk qualifiziert stattfinden kann. Beamer vorhanden? Ist das Verdunkeln des Raumes m?glich? Internetanschluss vorhanden? Noch ein wenig Gescherze zum Auflockern und zwei Tassen Kaffee sp?ter kann es losgehen.
1.4.05 11:13


Entre dos tierras

Zeitlich ist es meistens so, dass ein Projekt in ein anderes woanders ?bergeht. Sei es bei demselben oder bei einem anderen Kunden. Meistens addieren sich dann die Engagements zu einer Auslastung jenseits der 150%. Aber manchmal, ganz manchmal ? ein Vertrag ist noch nicht unterzeichnet, ein Anruf kam noch nicht, ein mysteri?ses Gremium hat sich noch nicht bequemt ? kommt es vor, dass sich zwischen zwei Projekten ein Loch auftut. Ein Loch. Und das sollte ja eigentlich in all dem Stress etwas Willkommenes sein. Freizeit. Zeit zum Weiterbilden und zum Erholen. Zeit zum Besinnen, zum Planen. Zeit f?r Privatleben. Zeit f?r das, was man schon lange vor sich herschiebt und just immer dorthin geschoben hat, wo man sich dann endlich befindet. Zwischen zwei Projekten. Entre dos tierras est?s ? y no dejas aire que respirar (Heroes del Silencio). Da ist leider mehr dran, als der Text zun?chst erahnen l?sst. Statt endlich den aufgeschobenen Kurzurlaub zu machen, statt endlich die Probleme zu Hause mal in aller Ruhe zu kl?ren, statt mir bewusst zu machen, wieviel Geld ich der Firma sonst pro Monat hereinbringe und mir die Gegenleistung in Form von ein wenig Ruhe einzufordern, statt dessen f?hle ich mich einfach nur schuldig. Nicht vor der Freundin, die es verdient h?tte, sich vor ihr schuldig zu f?hlen, nein, vor der Firma und vor mir selbst. Ich werde zum Kostentr?ger statt zur Umsatzmaschine. Ich koste die Firma Geld. Andere ern?hren mich. Ich bringe nicht die Leistung in Form des Honorars, das ich erwirtschafte. Klar bringt das im Privatleben eine gewisse Entspannung und Aufwind f?r die Beziehung. Wir freuen uns dann, endlich Zeit miteinander verbringen zu k?nnen. Trotz der Probleme ist Zeit f?r einander immer sch?n. Und diese Zeit dann gleich mit Problembew?ltigung belasten? Nein, erst einmal genie?en. Mit Sicherheit kommt das n?chste Projekt vor der Bereitschaft, sich dann doch mit dem Aufgeschobenen auseinander zu setzen. Mit der Zeit entsteht sogar eine Art intellektueller Unterdruck. Sonst bin ich es doch gewohnt, nicht nur st?ndig unter Strom, sondern auch in einem stetig auf mich hereinprasselnden Fluss von Ereignissen und Informationen zu stehen, der mich st?ndig fordert. Normalerweise wechseln sich von au?en neu auf mich hereinprasselnde und von mir selbst gesteuerte Aktionen gleicherma?en ab und addieren sich immer zu 120 Prozent Auslastung. Und jetzt? Jetzt h?ngt auf einmal nur noch von mir ab, was ich tue oder nicht. Kein Projekt, auf das ich projizieren k?nnte, was geschieht, wenn ich mich nicht darum k?mmere oder eben nicht. Das macht mich nerv?s. Ich denke die Zeit zwischen zwei Projekten kann etwas Wunderbares sein, wenn man nur bereit ist, damit umzugehen. Aber mich macht es schon fast unruhig, wenn ich nicht sp?testens alle zwei Tage an der Tankstelle bin und das Auto volltanke. Das bedeutet wohl, dass ich das mit dem Entspannen nicht wirklich gut hinbekomme. Och, schon wieder Stau. Stillstand, pfui! Der Wagen vor mir hinterl?sst beim Stop-and-Go eine kleine Wasserrinne. Der Gl?ckliche hat eine Klimaanlage. Die h?tte ich auch gerne. Als ich das erste Mal im Stau hinter einem Fahrzeug stand und ein Wasserrinnsal darunter hervortreten sah, bin ich ausgestiegen, um den Fahrer freundlich darauf hinzuweisen, dass er Wasser verliere. Das war das erste und letzte Mal, dass ich mich als Unwissender um die Ausstattung von teuren Personenwaren geoutet habe. Warum geht es denn hier schon wieder nicht weiter? Es ist nicht zu erkennen. Und dann auch noch bergauf. Mit einer Automatik w?re das halb so wild, aber ohne eine solche nervt das m?chtig. Na prima, ist gar nichts auf unserer Fahrbahn. Auf der Gegenrichtung ist ein Unfall passiert und die Vollidioten vor mir gaffen, was das Zeug h?lt. Am besten provozieren sie doch gleich noch einen Unfall auf dieser Seite, dann muss man nicht bis auf die andere blicken. 20 Meter nach der Unfallstelle geht es erst wieder in die n?chste Beschleunigung. Na, dann berechnen wir mal neu. Noch ca. 40 km, bei einer langgezogenen Auto-Kolonne mit 160 km/h, da sollte der Stadtkern in einer Viertelstunde erreicht sein. ETA (Estimated Time of Arrival) 12 Uhr, passt doch perfekt. Im Stadtkern liegt dann das Lokal, in dem wir uns gleich treffen. Eine Stunde vor dem Pr?sentationstermin.
31.3.05 12:38


Das n?chste Projekt: Prestige oder Progress

Mal schauen, ob es was wird mit dem angestrebten Projekt. Eigentlich bin ich nicht so hundertprozentig scharf auf eines bei diesem Kunden. Er ist daf?r bekannt, sich einen Moloch an Projekten zu halten, die sich nur allzugern gegenseitig in die Parade fahren. Da ist dann mehr Politik zu betreiben, als dass man produktiv arbeiten kann. Und wenn ein solcher Kunde mal mehrere Projekte mit externen Beratern hinter sich gebracht hat, stellt er fest, dass ein eingespieltes Team von K?nnern die Pr?sentation macht, das Projekt dann aber so weit wie m?glich mit Neulingen best?ckt wird. In der Konsequenz verlangen diese Kunden eine vertragliche Zusicherung, dass die Berater, die pr?sentiert haben und auf bohrende Nachfragen hin ihre fundierte Kompetenz beweisen konnten, auch letztendlich das Projekt durchziehen. Am Ende dieser Kette stehe dann ich in einem Projekt in der Stadt der Erfinder der ausgew?hlt bl?den VW-Fahrer. F?hre mich nicht in Versuchung, absichtlich schlecht zu sein! Manchmal ? viel zu selten ? ergibt sich die sch?ne Situation, sich wirklich aussuchen zu k?nnen, welche Projekte man machen m?chte und welche nicht. Dann findet eine vielschichtige Bewertung der Situation statt, bei der berufliche wie pers?nliche Faktoren mitspielen. Aus beruflicher Sicht muss ich mich fragen: Welches der Projekte bringt mich weiter? Diese Frage f?chert sich weiter in die fachliche und die politische Ebene auf. Abzuw?gen ist, ob es momentan eher opportun ist, etwas f?r seine fachliche Weiterentwicklung zu tun, oder ob andererseits ein Projekt aus der Sicht von Vorgesetzten einen Stellenwert und vermeintliche Komplexit?t aufweist, dass mich die ?bernahme im subjektiven Ansehen weiterbringt. Gold ist nat?rlich, wenn beide Aspekte gegeben sind. Aus der pers?nlichen Sicht stellt sich die Frage: Worauf habe ich ganz einfach mehr Bock? Will ich in einer Provinzstadt ein hochanspruchsvolles Projekt machen, das mich fachlich enorm weiterbringt? Oder gehe ich lieber zum 08/15-Projekt in meine Lieblingsgro?stadt, in der Freunde von mir wohnen, mit vielleicht sogar den Kollegen, mit denen ich gut klar komme? Bei dieser Vorstellung wird mir spontan warm ums Herz. Tja, das w?re dann die W?rme in ?quatorn?he ? Herz ? und die k?hle ?berlegung am Nordpol des K?rpers. O.k., meine kalten Schwei?f??e w?ren in dem Bild dann der S?dpol, aber das tut hier nichts zur Sache. Platin bei diesen Abw?gungen w?re dann, wenn fachliche und pers?nliche Vorteile zusammen k?men. Dann kann man sich nur noch gratulieren. Ich habe mir leider nie in diesem Sinne die Hand sch?tteln k?nnen. Statt dessen dominierte oft die geballte Faust in der Hosentasche.
29.3.05 16:59


Die Rastst?tte meines Vertrauens

300m, Blinker raus, 200m, 100m und raus. Bremsraketen z?nden und langsam den richtigen Zapfs?ulenwald anfahren, rechts PKW, links LKW, das ist ungew?hnlich. W?hrend die Zapfs?ule den Kraftstoff in meine Karosse bef?rdert, fange ich an, im Kofferraum nach dem richtigen Falk-Plan zu suchen. Der mit den Stadtpl?nen zum Bersten gef?llte Schuhkarton bringt etwas heimelige Atmosph?re in meinen Kofferraum. Heimeligkeit allerorten. Ich habe es mir zur Regel gemacht, bei Aufenthalten in fremden St?dten, die absehbar 48h ?berschreiten, einen Falk-Plan zu kaufen. Einmal mit dem Finger durch die kleinen Kunstwerke gebl?ttert ? die Bilder unter den Titeln rasen wie ein Daumenkino. Stopp, das ist er. Den hatte ich lange nicht in der Hand, denn das Bild vorne drauf kommt mir so gar nicht bekannt vor. Wann immer ich sonst mal einen der Pl?ne in die Hand nehmen musste, habe ich mich so oft und lange mit ihnen auseinander setzen m?ssen, dass ich sie normalerweise auf einen Blick wiedererkenne. Und ich bin schon fast stolz auf meine Sammlung. Fr?her waren es Fu?ballbilder, heute sind es Falk-Pl?ne. So ?ndern sich die Zeiten. In diesem kleinen unscheinbaren Karton befindet sich mittlerweile ein dreistelliger Euro-Wert an Falk-Pl?nen. Bei Kollegen soll sich das schon in weit gr??eren H?hen bewegen, aber ich bin ja erst ein halbes Jahrzehnt dabei, also habe ich noch ein wenig Zeit. Einen Return-on-Investment k?nnte ich erreichen, wenn ich mal zu Wetten dass??? mit dem Versprechen gehen w?rde, dass ich, nachdem ich 1/10 Sekunde eines Falkplancover-Bildes ansichtig werde, die dazugeh?rige Stadt nennen kann. Klack, der Tank ist voll und ich vertage die Idee mit meinem TV-Auftritt. Ich bef?rdere die Zapfpistole wieder in ihr Quartier und schlie?e den Wagen. Oh Mann, ich warte noch auf den Tag, an dem dieser Typ aus der VW-Lupo-Werbung versucht den letzten Tropfen aus dem Zapfschlauch zu sch?tteln, den ich gerade verwendet habe. Das versucht der Gute genau einmal bei mir, dann kann er was erleben. Der bekommt dann f?r die gesammelten Schundfiguren des hiesigen Werbefernsehens eine Pauschalabreibung. Zusammen mit seinem Freund, der zu bl?d ist zu unterscheiden, ob jemand ein Haus oder einen Golf verkaufen will. Vielleicht treffe ich die heute sogar, denn ich fahre in die Stadt, in der sich die Erfinder dieser Menschen zusammengerottet haben. Obwohl, der besagte Tankstellen-Spot wurde meines Wissens in Paris erdacht. Und dorthin haben mich meine Projekte leider noch nicht verschlagen. So ? bezahlen, 50m weiter fahren, Auto abstellen, f?r kleine Berater gehen.
- Guten Morgen
t?nt es vom Stuhl, der neben den kleinen Tisch platziert ist, auf dem sich ein Sch?lchen mit ein paar Kleingeldm?nzen befindet.
- Moin,
murmele ich zur?ck. Wasserlose Toiletten. Fantastisch, wer hat das nur wieder erfunden? Statt eines Rotierhandtuches gibt es wieder nur das d?nische Hei?luftgebl?se. Na gut. Ich klatsche in die H?nde unter dem Warmluftstrom. Das macht viel L?rm, es hallt ganz ordentlich und sicher glaubt der Familienvater, der gerade in einer Kabine sein Gesch?ft verrichtet, dass jemand seine soeben vollbrachte Leistung lautstark honoriert. Aber so werden die H?nde nun einfach schneller trocken ? als ob sie unter diesen Dingern je ganz trocken werden. Der Familienvater hat sich gerade vom Schreck erholt und kramt nach Kleingeld f?r den Guten-Morgen-Aufsager. Von mir wird er sicher nichts bekommen. Ich lehne erstens diese Art von Wegelagerei grunds?tzlich ab und zweitens waren hier noch nicht einmal Handt?cher vorhanden. Abgesehen davon, hatte einer der Vorbenutzer des Pissoirs ganz bedenklichen Haarausfall ? und das nicht auf dem Kopf. Auf jeden Fall mit Sicherheit keinen Obolus wert. Auf Wiedersehen t?nt er mir trotzdem hinterher. Das ist wohl so verordnet. Danke, dir auch. Falk-Plan raus, Notizen zur Anfahrt auf den Post-it, Post-it aufs Lenkrad und weiter geht es.

Als ich gerade wieder meine Reisegeschwindigkeit erreiche, gibt es mal eine angenehme ?berraschung. Ein Anruf von meinem besten Freund. Ich nehme den Fu? vom Gas und lasse mich langsam auf die rechte Spur fallen, damit ich ihn gut verstehen kann. Die Freisprechanlage verbreitet qu?kend seine Stimme im Wagen, sie ist eigentlich nur f?r den innerst?dtischen Verkehr geeignet. Allerdings kommt der Anruf zu einem wenig erfreulichen Thema. Vor einem halben Jahr hat er die Beratungsbranche verlassen, um sich einem Internet-Start-up anzuschlie?en. Was die so genau machen und wie sie damit Geld verdienen, habe ich nie wirklich verstehen k?nnen. Aber er klang immer sehr zuversichtlich. Mit der Zuversicht ist es allerdings jetzt endg?ltig vorbei. Heute Morgen ist der Umschlag beim ?rtlichen Amtsgericht eingeworfen worden. Der Umschlag, der das Abenteuer ?Start-up? offiziell beendet. Die Firma, f?r die er arbeitet, hat Insolvenz angemeldet. Zwar bedeute dies nicht zwingend das Aus, jedoch in der aktuellen Marktlage nun irgendwie doch. Aber aus irgendeinem Grund ? das liegt wohl an der Kultur in diesen Unternehmen ? nehmen es die Beteiligten recht locker. Er berichtet mir, dass sie dem Vorstand nun vorgeschlagen haben, die ehemalige Job-Seite ihres Internet-Auftritts, mit der Arbeitskr?fte mit markigen Spr?chen gek?dert wurden, in eine ?Reverse Recruiting?-Seite umzuwidmen, um dort die jetzigen Mitarbeiter zum Anheuern anzubieten, so wie das eine andere Firma getan h?tte. Der Vorstand hat nicht ganz so locker und begeistert reagiert, wie sie sich das vorgestellt h?tten. Wen wundert es? Die haben alles, was sie an Zeit und Geld hatten, in das Unternehmen gesteckt und, nun ist alles mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum Teufel. Die Mitarbeiter bekommen ja, so wie es aussieht, ihr volles Gehalt noch f?r drei Monate ? zwar nachtr?glich bei Er?ffnung des Insolvenzantrages, aber dennoch ? gezahlt. Durch die abschl?gige Entscheidung des Vorstandes sei man nun doch gezwungen Online-Bewerbungsmappen zu erstellen, wie das in der Branche ?blich sei. Na, dann haut mal rein! Pflichtbewusst versichert er mir die Ausf?hrung meines ausgesprochenen Dauerauftrages, t?glich ?ber die neusten Ereignisse Bericht zu erstatten ? zumindest solange das Telefon noch nicht abgestellt wird.
23.3.05 11:04


Boxenstop

Hey, da ist ja schon der Erste. War ja auch eigentlich nur eine Frage der Zeit, wie lange es dauern w?rde, bis ich einen meiner alten Bekannten wieder sehen w?rde. Die Maulesel, das sind die LKWs der gro?en Autovermietungen. Ich kenne sie mittlerweile alle, zumindest ihre typischen Erscheinungsformen. Und deshalb gibt es mir ein klein wenig das Gef?hl, alte Bekannte auf der Autobahn zu treffen. Nat?rlich kenne ich nicht einen einzigen dieser Menschen, die in diesen 7,5-Tonnern sitzen. Ist ja auch jedes Mal jemand anderes. Aber ich freue mich unterwegs immer ?ber ein wenig Vertrautes. Da kommt er mir gerade recht, dieser wei?e Riese mit dem altbekannten Schriftzug, der mich nach wie vor immer wieder zum Grinsen bringt. Die Brummikummer-Servicenummer ? die Nummer f?r Ihre Laster ? Brillant, einfach brillant. Etwa in derselben Liga wie der ?Brotausgang ? bitte freihalten?. Man kennt sie einfach ? man mag sie einfach. So, bald muss ich mal tanken. Daran habe ich am Wochenende nicht gedacht. Sonntagnachmittag ist mir eingefallen, dass ich die Karre noch auff?llen muss, aber sogar diese vermeintlich unverf?ngliche T?tigkeit h?tte die Gefahr in sich geborgen, den Abschied vom Wochenende und die damit verbundene Unentspanntheit einzul?uten. Also habe ich es gelassen. Aber so langsam wird es Zeit und ein Croissant kann ich mittlerweile auch vertragen. Dazu eine M?llermilch und ich bin satt und happy. Noch sieben Kilometer bis zur n?chsten. Na gut. Oh, ich k?nnte ja auch so langsam mal schauen, wie es in der Stadt dann weitergeht. Bisher habe ich nur die Adresse des Lokals, in dem wir uns vorher noch treffen wollen.
21.3.05 16:44


Relativ

Das wird eine wirklich spannende Woche. Das eine Projekt neigt sich gerade dem Ende zu, ein neues Projekt startet am Donnerstag und heute bin ich auf dem Weg meinen Teil dazu beizutragen, ein Neues aufzurei?en. Bis zur Autobahn brauche ich eine Viertelstunde. Ich werde nerv?s, weil ich doch nun wirklich noch ein paar Kilometer vor mir habe und mich jetzt aber erst einmal mit anderen Fr?haufstehern durch den einsetzenden Berufsverkehr qu?len kann. Ja, dr?ngle du nur, bist ja auch in zehn Minuten im B?ro und wenn du vor Schmitz da bist, kannst du ja auch wieder vor ihm verschwinden. Endlich bin ich auf der Autobahn angelangt. Jetzt geht die echte Reise los. Ich bin immer wieder ?berrascht, wie laut mein Auto bei diesen Geschwindigkeiten wird. Aber noch mehr ?berrascht mich, dass mich das nach ein paar Minuten eigentlich gar nicht mehr st?rt. Nicht ohne Grund ist mein Verbrauch an Wattest?bchen seit Beginn meiner Reiset?tigkeit merklich gestiegen. Um mich herum fahren fast nur LKWs und Urlauber mit Jetbags auf dem Dach, kleinen Anh?ngern oder gleich mit dem ganzen Wohnwagen. Die Eltern kramen in den Stra?enkarten, die Kinder schl?rfen Capri-Sonne und fragen, ob es noch weit ist. Der kleinen Schwester ist schon wieder schlecht. Die: auf in die Sonne, ich: auf zur Arbeit. Die meisten Leute machen lange Autobahnfahrten nur bei Urlauben oder Besuchen bei entfernten, also r?umlich entfernten, Verwandten. So sind die Sichtweisen auf meine Reiserei in meinem Umfeld sehr unterschiedlich. Die einen verbinden damit, wie gesagt, nichts anderes als Urlaub. Och, Mensch, du kommst da so viel herum, siehst so viele St?dte. Oh, dahin geht es n?chste Woche? Toll, die Stadt wollte ich schon immer mal sehen, hast du es gut. Ja genau, hab ich es gut. Die St?dte wollte ich zwar auch schon immer mal sehen, aber alles, was ich dann tats?chlich von ihnen zu sehen bekomme, sind B?ros, Tiefgaragen, Hotellobbys und -zimmer. Andere, beispielsweise, die Autobahnfahren eher wie eine Weltreise angehen ? ?l pr?fen, Beleuchtung testen, Blinker links, geht, Blinker rechts, geht, Abblendlicht geht auch ? bemitleiden mich da eher. Dahin f?hrst du jede Woche, also wirklich jede Woche? Das sind doch mindestens drei Stunden je Strecke und dann noch die Berge dazwischen, da m?chte ich nicht mit dir tauschen. Alles relativ. F?r mich ist es relativ normal geworden, ab und zu ein paar Stunden im Auto zu verbringen. Zwar kann ich beim Autofahren nicht arbeiten, habe aber wenigstens mal ein paar Stunden Zeit, um meinen Gedanken nachzuh?ngen. Das ist auch etwas wert. Au?erdem fahre ich los, wann immer ich das m?chte, und nicht, wann ein Reiseplan dies vorsieht.
18.3.05 10:46


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